Top hotel schreibt über das Budersand Hotel Golf & Spa Sylt (progros)

WAKE-UP in Hörnum

Am 29. Mai wurde das Budersand Hotel Golf & Spa Sylt eröffnet - und damit die Südspitze der Nordseeinsel aus dem Dornröschenschlaf erweckt
Wer absolute Ruhe, kombiniert mit Luxus und purer Natur, sucht, der ist künftig an der Südspitze Sylts optimal aufgehoben. Hier ist die Nordseeinsel noch ursprünglich, hier riecht es nach Meer. Vorbei an kleinen bunten Häuschen, führt die schmale Straße am Hörnumer Hafen entlang, vorbei an der Kegelrobbe Willi, die im Hafenbecken vor der Strandbude darauf wartet, dass Touristen sie füttern. Nur noch ein paar Schritte und man betritt eine völlig andere Welt: Wer durch die Pforte des Budersand geht, den empfängt ein vollkommen neues Sylt-Gefühl, fernab von Reetdachromantik, Pomp und Chichi. Pur, leicht, warm und sinnlich. Klare Linien und Formen, die Rückkehr zum Ursprung und zur Natur, jedoch – wie es sich für ein Hotel der Fünf-Sterne-Superior-Kategorie gehört – mit allem erdenklichen Luxus.


Große Glasfronten und Zedernholz dominieren die öffentlichen Bereiche, das weitläufige Foyer mündet in die Bar und durch die zahlreichen bodentiefen Fenster führt der Blick unweigerlich in die bepflanzten Lichthöfe. Eyecatcher im Fine-Dining-Restaurant »Kai 3« und in der angrenzenden Vinothek sind die eigens angefertigten Murano-Glasleuchten. Anspruchsvolle Kunst an den hellen Wänden, dezent eingesetzte Accessoires wie asiatische Holzkugeln oder Schalen von Riesenhummern unterstreichen das edel-maritime Ambiente. Alles in allem strahlt das Haus eine angenehm entspannte Atmosphäre aus; es wirkt wie eine Oase am südlichsten Zipfel der Nordseeinsel.

Das war hier nicht immer so, denn errichtet wurde das Hotel auf dem Gelände der ehemaligen Pidder-Lüng-Kasernen, die zuvor viele Jahre lang leer standen und als Schandfleck von Sylt galten. »Das ist jetzt endgültig vorbei«, lacht die Besitzerin Claudia Ebert, die aus der Unternehmerfamilie Ströher stammt, der einst das weltbekannte Wella-Imperium gehörte. Wir stehen auf der namensgebenden Budersand-Düne, der zweitgrößten Düne der Insel, und überblicken das 73 Hektar große Areal. Der Wind pfeift, das Wattenmeer ist zum Greifen nah und unter uns liegt der einzige 18-Loch-Links-Golfplatz Deutschlands zugleich der erste Kurs, der direkt an der Küste beginnt. Außerdem wurde er vom »Golf Magazin« gerade zum »besten deutschen Golfplatz 2009« gekürt. »Als ich hier oben stand, wusste ich, dass dieses Gelände einzigartig ist und sah sofort einen Golfplatz vor meinem inneren Auge. Je länger ich schaute, desto mehr verschwanden die Kasernen und ich hatte die Vision, dieses traumhafte Fleckchen Erde aus seinem viel zu lange gehaltenen Dornröschenschlaf herauszuholen und zu renaturieren«, erinnert sich die Unternehmerin aus Darmstadt an ihre erste Begehung des Terrains im August 2004. Kurz zuvor war der Kontakt zur Projektentwicklungsgruppe Sylt Consulting zustande gekommen, die einen Investor für ihr Projekt suchte. »Aus unternehmerischer Sicht rechnet sich ein Golfplatz allein nicht«, erklärt Claudia Ebert den Schritt, auch in ein Hotel zu investieren. Also stellte sie nochmals 50 Millionen Euro bereit, um ihren lang gehegten Wunsch eines »eigenen kleinen Domizils« zu verwirklichen. Dieses ist nun aber doch etwas größer geworden: Das dreigeschossige Hotel teilt sich in vier Bereiche, die durch lichtdurchflutete Flure und Brücken miteinander verbunden sind. Allerorts hat der Gast endlos weite Sicht in alle vier Himmelsrichtungen, und bei gutem Wetter kann man sogar die Nachbarinseln Föhr und Amrum am Horizont entdecken. Schon bei der Reservierung werden die Gäste vor die Wahl gestellt: Darf es ein Zimmer mit Blick aufs Wattenmeer, auf den Golfplatz oder auf Leuchtturm und Hafen sein? Fast alle 79 Einheiten verfügen über eigene Balkone oder Gartenterrassen mit freier Sicht in die Natur. Unterteilt sind diese in acht Einzelzimmer (21 qm), zehn Standard-Doppelzimmer (26 qm), 38 Deluxe-Doppelzimmer (35 qm), 17 Junior-Suiten (40 bis 54 qm) und sechs Suiten (65 qm). Zur Basisausstattung gehören Plasma-Bildschirme, Highspeed-Internet. DVD-Player, Badewanne und separater Duschbereich.

Sprung ins kalte Wasser

Wie viel Raum sich hinter den mächtigen Eingangstüren verbirgt, das vermag der Gast von außen nicht wirklich zuerkennen, denn auf den ersten Blick wirkt das Gebäude recht kompakt. Erst im Inneren des vom Architektenteam Patrik Dierks und Ralf Kunze designten Hotels entpuppt sich die Großzügigkeit des Fünf-Sterne-Superior-Domizils. Die schlichte weiße Fassade ist mit Zedernholz verkleidet, welches das Gebäude in ein silbernes Licht taucht. Dank seiner hellen und modernen Architektur fügt sich der Hotelbau sanft in die Dünenlandschaft ein und harmoniert perfekt mit der kargen Insellandschaft. »Darauf ist meine Mutter ganz besonders stolz«, erklärt Simon Ebert, der von Anfang an als Geschäftsführer in das Familienprojekt involviert ist und bereits seit Längerem mit der Idee liebäugelte, ein Hotel zu eröffnen.

 »Schon vor einigen Jahren bot sich uns in Dresden die Gelegenheit, ein kleines Hotel zu ersteigern«, erinnert sich der 31- Jährige, »aber den Zuschlag hat damals leider jemand anderes bekommen. Vielleicht waren wir zu dem Zeitpunkt einfach noch nicht mutig genug, uns ins kalte Wasser zu stürzen, obgleich meine Mutter schon immer sehr von der Idee angetan war, ein gastliches Haus ganz nach ihren Wünschen und Vorstellungen einzurichten. «

Inspirationen gab es Zeit ihres Lebens genug, da Mutter und Sohn schon immer viel um die Welt gereist sind. »Als ich wusste, dass das Budersand Gestalt annehmen wird, waren die Hotels, in denen wir selbst Gast waren, plötzlich Ideenbörsen und Lehrobjekte zugleich«, erinnert sich Claudia Ebert. Bei ihrem eigenen Projekt hatte die Eignerin genügend Raum, um sich stilistisch auszuleben, und bewies auch bei der Umsetzung des Designkonzeptes Familiensinn – gemeinsam mit dem Hamburger Innendesigner Jan Wichers, der schon die deutschen Gucci-Filialen ausstattete und es mit seinen Entwürfen bis ins Museum of Modern Art nach New York schaffte.

Kunstvolles Interieur mit Familiensinn

Viele der großformatigen Bilder, die an den hohen Wänden hängen, stammen von Tochter Jana, alle anderen Kunstwerke aus der privaten Sammlung ihres Bruders. Um die schönsten Möbelstücke auszuwählen, reiste Claudia Ebert mit Jan Wichers nach Italien und auf die Philippinen. Mit eigenen Augen wollte sie dort die Produktionsbedingunen begutachten. »Hätte ich in den Möbelwerkstätten, die wir besucht haben, auch nur ein arbeitendes Kind gesehen, hätte ich den Auftrag sofort zurückgezogen«, erzählt sie engagiert.

Engagement zeigt sie auch gegenüber ihren 130 Mitarbeitern: Eigens für diese wurden nur fünf Minuten Fußweg vom Budersand entfernt Wohnungen gebaut. »lch wollte meinen Angestellten nicht zumuten, jeden Tag stundenlange Anfahrtswege in Kauf zu nehmen. Sie sollen sich wohlfühlen, denn das strahlt automatisch auch auf die Gäste ab«, ist Claudia Ebert überzeugt.

Bei der Auswahl ihres Führungsteams bewies sie ebenfalls eine glückliche Hand. Als General Manager konnte sie Harald Lange gewinnen, der umfassende Erfahrungen in der Luxushotellerie vorweisen kann und bereits im Suvretta House St. Moritz, auf der »MS Europa« und »MS Bremen« sowie für Aldiana arbeitete. Küchenchef ist der Kölner Burkhard Lindlar, der zugleich für das Restaurant »Strönholt« im Golfclub zuständig ist und in den vergangenen 15 Jahren ausschließlich in Restaurants mit 15 oder 16 »Gault Millau«-Punkten am Herd stand. Im »Kai 3« offeriert er ein Fine-Dining-Konzept mit 20 Gängen, welche sich die Gäste individuell zu zwei verschiedenen Menüs, einem Fisch- und einem Vitalmenü, zusammenstellen können. Französische und regionale Einflüsse verschmelzen dabei zu spannenden Kreationen, die dem Körper zuträglich sind. Healthfood auf höchstem Niveau passt auch bestens zur Philosophie des Budersand, die das ganzheitliche Wohlbefinden in den Vordergrund stellt. Stressgeplagten wird es schwerfallen, sich aus dem 1100 Quadratmeter großen Spa im Souterrain zu verabschieden, das mit einem direkten Zugang zur Dünenlandschaft versehen ist.

Herzstück des Wohlfühlareals ist der zwölf Meter lange Pool; Saunen, Dampfbäder. Erlebnisduschen, Behandlungsräume, eine Saft- und Salatbar, Gym und Gymnastikraum vervollständigen das Angebot und machen es dem Gast leicht, einfach mal einen ganzen Tag im Spa zu genießen.

Als kulturelle Alternative bietet sich die Bibliothek an, die von Deutschlands bekanntester Literaturkritikerin Elke Heidenreich eingerichtet wurde. Gemeinsam mit Claudia Ebert hat Elke Heidenreich 1200 Werke anspruchsvoller Schriftsteller zusammengetragen, deren Spektrum von Klassikern, Romanen und Erzählungen über Bildbände bis hin zu moderner Literatur reicht. So wurde die Bibliothek zu einem der vielen Plätze im Haus, die man am liebsten gar nicht mehr verlassen möchte. Da kann man eigentlich nur auf recht viele Regentage hoffen, um einen guten Grund zu haben, ganz viel Zeit im Hotel zu verbringen.

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