Top hotel, 06/2009: Expedition durch drei Kontinente
Rund 31 Millionen Euro hat das Anfang
Mai eröffnete Themenhotel der Lindner Hotels AG direkt am Tierpark
Hagenbeck in Hamburg gekostet, das den Gast auf eine Reise um die Welt
mitnimmt
- Quelle: Top hotel 06/2009
Nur ein paar Schritte sind es von der Straße in die Lobby des Lindner Park-Hotel Hagenbeck und doch scheint es, als sei man binnen Sekunden in der Kolonialzeit des 19. Jahrhunderts gelandet. Die dunklen Möbel verströmen den Geist des Commonwealth, die Wände zieren Bilder exotischer Tiere, Landschaften und Menschen, ein zwei Meter langes Holzkrokodil aus Indonesien zieht die Blicke auf sich. Auf den Lih-Türen sind Abbildungen des Hamburger Hafens um 1870 zu sehen - Ausgangspunkt einer erlebnisreichen Reise für den Hotelgast. Die Aufzüge sind im Inneren mit Holzplanken und Bullaugen wie eine Schiffskabine gestaltet. Eine Weltkarte aus dem Jahr 1850 weist den Weg: Wer nach Afrika will, reist in die erste oder zweite Etage, Asien liegt im dritten und vierten Stockwerk und ganz oben wartet die Arktis.
Schon im Lift wird der Gast auf sein Reiseziel eingestimmt. So ist die Kabine auf dem Weg nach Afrika beispielsweise in gelbes, warmes Licht getaucht. Öffnet sich die Liftür im ersten oder zweiten Stock, erblickt der Gast die Kulisse einer afrikanischen Steppe. Großformatige Tier- und Landschaftsfotos, ergänzt durch Accessoires, formieren sich zu einem Gesamtbild. Steppengras, die abgestorbenen Äste eines Baumes und ein Löwe vermitteln »Out of Africa«-Feeling; es riecht nach trockenem Gras und wilden Tieren. In der dritten und vierten Etage empfängt der Dschungel Asiens den Gast mit einem Szenario aus Lianen, riesigen Bäumen und einem Orang-Utan, der sich von Ast zu Ast hangelt.
Große Bambusstäbe dienen hier der Dekoration. Über allem schwebt ein Duft aus Blüten, Gewürzen und feuchtem Laub. Auf dem Weg in die fünhe Etage taucht die Schiffskajüte in das Dunkel der Polarnacht ein. Öffnen sich die Türen des Lifts, steht der Besucher in einer Eislandschaft und schaut auf eine Bucht, die von bunten Holzhäusern umrahmt ist. Aus dem Bild ragt der Bug eines Holzbootes hervor und verleiht der Szene Dreidimensionalität.
»In den Bereichen vor dem Lift arbeiten wir ganz bewusst mit Szenen bzw. Panoramen, die den Gast in eine andere Welt versetzen sollen. Mit dem Einsatz von Geräuschen, Gerüchen und Lichteffekten wird außerdem eine bestimmte Stimmung hervorgerufen«, erklärt Andreas Eickholt, Projektleiter im Hamburger Innenarchitekturbüro JOI Design. Für die Kreation der Gerüche hat das Unternehmen eigens einen Duftdesigner engagiert, der aus Ptlanzenessenzen und Gewürzen eine zu den Panoramen passende Mischung entwickelte. Ungewöhnliche Wege beschritten die Innenarchitekten auch bei der Auswahl der Dekoration. Das Interieur wurde zu 90 Prozent individuell gestaltet - hier kommt nichts von der Stange. Eine Künstlerin wurde eigens nach Afrika und Asien geschickt, um antike Stammeswappen, handgeschnitzte Fensterläden und Dekorationsstoffe ausfindig zu machen. So liegt in den Afrikazimmern über dem Bett ein handgewebter, dunkelroter Dekoschal, den Elefanten, Antilopen und Löwen schmücken. Das Kopfende ist in hellgelbem Straußenleder gehalten, daneben ragen schlanke, handgedrechselte Pfosten in die Höhe. Vor dem Bett befindet sich eine speziell angefertigte Safari-Bank aus massivem Buchenholz. Individuell sind auch die Bäder der Afrika-Zimmer gestaltet, die mit einem ungewöhnlichen Badmöbel aufwarten: einer hohen, mit dunklem Kokosnussholz verkleideten Trommel, in die das Waschbecken versenkt wurde. Die hellen Streifen an der Außenseite erinnern an die Fellzeichnung einer Antilope.
Antiquitäten und Fundstücke statt Pappmache
Die Zimmer auf den Asien-Etagen greifen die fernöstliche Farbwelt auf, wobei die Wände zum Teil mit Bambusholz verkleidet wurden; die weiß plissierten Lampen erinnern an Lampions. Die Waschbecken in den Badezimmern sind aus ausgehöhlten, grauen Granitfindlingen gefertigt.
Auf eine Kulissenarchitektur in Pappmache-Form wurde im Lindner Hagenbeck ganz bewusst verzichtet. Stattdessen sorgen Antiquitäten, Alltagsgegenstände und Fundstücke aus Afrika und Asien für Authentizität. Aber auch im Hagenbeck-Archiv wurden die Innenarchitekten fündig: Repliken alter Plakate, zeitgenössische Fotos und Zeitungsberichte finden sich im gesamten Haus. Neben der räumlichen Nähe zum Tierpark - das Hotel liegt direkt am Tropen-Aquarium - legte man bei der Konzeption großen Wert auf die inhaltliche Verbindung. Otto Lindner, Vorstand der Lindner Hotels AG, bestätigt: »Unser Ziel ist es, die authentische Geschichte von Carl Hagenbecks Weltreisen zu vermitteln.« Die Düsseldorfer Hotelgesellschaft betreibt das First Class-Hotel per Managementvertrag. Besitzer des weltweit ersten Tierpark-Themenhotels ist Joachim Weinlig-Hagenbeck, Geschäftsführer der Tierpark Hagenbeck Gemeinnützige Gesellschaft mbH, der sich für den Neubau von einigen Grundstücken trennte. Mittelfristig sollen die Einnahmen aus dem Hotelgeschäft in den Tierpark einfließen, dessen Betriebskosten mit 32000 Euro pro Tag enorm sind. »Das Hotel ist unsere Investition in die Zukunft«, erklärt Weinlig-Hagenbeck.
Und für diese hat Hoteldirektor Fabian Engels ehrgeizige Ziele, denn für 2010 peilt der 35-Jährige eine durchschnittliche Belegung von 68 Prozent an. Die Eröffnungspreise für die 151 Zimmer und sieben Suiten liegen bei 109 Euro für das Einzel- und 129 Euro für das Doppelzimmer. Zielgruppe sind in erster Linie Urlauber und Familien, aber auch Geschäftsreisende und Veranstaltungsgäste. Letzteren stehen vier Tagungsräume mit einer Kapazität von bis zu 220 Personen sowie der sieben Meter hohe »Carl-Hagenbeck-Saal« zur Verfügung.
Erholungsuchende kommen im WellFit-Bereich im fünften Stock auf ihre Kosten, obwohl man die Umgebung - wir befinden uns in der Arktis - nicht auf Anhieb mit einer heimeligen Wohlfühlwelt in Verbindung bringt. So wurden die Saunen in Form von skandinavischen Fischerhäusern in Rot und Blau gestaltet, das verwendete Material erinnert an Treibholz. Die Duschen befinden sich in einem stilisierten Eisblock, in dessen Eiskristallen das Licht der Sonne funkelt.
Natürlich trägt auch die Küche des Hauses ihren Teil zur Authentizität des Themenhotels bei. Allerdings kocht Chef de cuisine Jens Wagner für die Gäste im 215-Plätze-Restaurant »Augila« nicht nur einfach Gerichte aus Afrika oder Asien nach, vielmehr hat er eigene Menüs kreiert, in den sich Aromen, Kräuter und Gewürze dieser Länder wiederfinden. Als Suppe serviert Wagner z. B. eine mit Jasmintee aromatisierte Geflügelbrühe mit Shiitake-Pilzen, dazu gibt es Poulardenmettbällchen in Korianderpesto. Anschließend kommt man an der »Baobab Bar« fast nicht vorbei, die ebenfalls mit dekorativen Mitbringseln aus aller Herren Länder dekoriert ist. Auf der Karte stehen klassische, aber auch exotische Cocktails, die den Gästen einen gelungenen Abschluss ihres visuellen und kulinarischen Streifzugs durch die drei Kontinente bescheren.
Schon im Lift wird der Gast auf sein Reiseziel eingestimmt. So ist die Kabine auf dem Weg nach Afrika beispielsweise in gelbes, warmes Licht getaucht. Öffnet sich die Liftür im ersten oder zweiten Stock, erblickt der Gast die Kulisse einer afrikanischen Steppe. Großformatige Tier- und Landschaftsfotos, ergänzt durch Accessoires, formieren sich zu einem Gesamtbild. Steppengras, die abgestorbenen Äste eines Baumes und ein Löwe vermitteln »Out of Africa«-Feeling; es riecht nach trockenem Gras und wilden Tieren. In der dritten und vierten Etage empfängt der Dschungel Asiens den Gast mit einem Szenario aus Lianen, riesigen Bäumen und einem Orang-Utan, der sich von Ast zu Ast hangelt.
Große Bambusstäbe dienen hier der Dekoration. Über allem schwebt ein Duft aus Blüten, Gewürzen und feuchtem Laub. Auf dem Weg in die fünhe Etage taucht die Schiffskajüte in das Dunkel der Polarnacht ein. Öffnen sich die Türen des Lifts, steht der Besucher in einer Eislandschaft und schaut auf eine Bucht, die von bunten Holzhäusern umrahmt ist. Aus dem Bild ragt der Bug eines Holzbootes hervor und verleiht der Szene Dreidimensionalität.
»In den Bereichen vor dem Lift arbeiten wir ganz bewusst mit Szenen bzw. Panoramen, die den Gast in eine andere Welt versetzen sollen. Mit dem Einsatz von Geräuschen, Gerüchen und Lichteffekten wird außerdem eine bestimmte Stimmung hervorgerufen«, erklärt Andreas Eickholt, Projektleiter im Hamburger Innenarchitekturbüro JOI Design. Für die Kreation der Gerüche hat das Unternehmen eigens einen Duftdesigner engagiert, der aus Ptlanzenessenzen und Gewürzen eine zu den Panoramen passende Mischung entwickelte. Ungewöhnliche Wege beschritten die Innenarchitekten auch bei der Auswahl der Dekoration. Das Interieur wurde zu 90 Prozent individuell gestaltet - hier kommt nichts von der Stange. Eine Künstlerin wurde eigens nach Afrika und Asien geschickt, um antike Stammeswappen, handgeschnitzte Fensterläden und Dekorationsstoffe ausfindig zu machen. So liegt in den Afrikazimmern über dem Bett ein handgewebter, dunkelroter Dekoschal, den Elefanten, Antilopen und Löwen schmücken. Das Kopfende ist in hellgelbem Straußenleder gehalten, daneben ragen schlanke, handgedrechselte Pfosten in die Höhe. Vor dem Bett befindet sich eine speziell angefertigte Safari-Bank aus massivem Buchenholz. Individuell sind auch die Bäder der Afrika-Zimmer gestaltet, die mit einem ungewöhnlichen Badmöbel aufwarten: einer hohen, mit dunklem Kokosnussholz verkleideten Trommel, in die das Waschbecken versenkt wurde. Die hellen Streifen an der Außenseite erinnern an die Fellzeichnung einer Antilope.
Antiquitäten und Fundstücke statt Pappmache
Die Zimmer auf den Asien-Etagen greifen die fernöstliche Farbwelt auf, wobei die Wände zum Teil mit Bambusholz verkleidet wurden; die weiß plissierten Lampen erinnern an Lampions. Die Waschbecken in den Badezimmern sind aus ausgehöhlten, grauen Granitfindlingen gefertigt.
Auf eine Kulissenarchitektur in Pappmache-Form wurde im Lindner Hagenbeck ganz bewusst verzichtet. Stattdessen sorgen Antiquitäten, Alltagsgegenstände und Fundstücke aus Afrika und Asien für Authentizität. Aber auch im Hagenbeck-Archiv wurden die Innenarchitekten fündig: Repliken alter Plakate, zeitgenössische Fotos und Zeitungsberichte finden sich im gesamten Haus. Neben der räumlichen Nähe zum Tierpark - das Hotel liegt direkt am Tropen-Aquarium - legte man bei der Konzeption großen Wert auf die inhaltliche Verbindung. Otto Lindner, Vorstand der Lindner Hotels AG, bestätigt: »Unser Ziel ist es, die authentische Geschichte von Carl Hagenbecks Weltreisen zu vermitteln.« Die Düsseldorfer Hotelgesellschaft betreibt das First Class-Hotel per Managementvertrag. Besitzer des weltweit ersten Tierpark-Themenhotels ist Joachim Weinlig-Hagenbeck, Geschäftsführer der Tierpark Hagenbeck Gemeinnützige Gesellschaft mbH, der sich für den Neubau von einigen Grundstücken trennte. Mittelfristig sollen die Einnahmen aus dem Hotelgeschäft in den Tierpark einfließen, dessen Betriebskosten mit 32000 Euro pro Tag enorm sind. »Das Hotel ist unsere Investition in die Zukunft«, erklärt Weinlig-Hagenbeck.
Und für diese hat Hoteldirektor Fabian Engels ehrgeizige Ziele, denn für 2010 peilt der 35-Jährige eine durchschnittliche Belegung von 68 Prozent an. Die Eröffnungspreise für die 151 Zimmer und sieben Suiten liegen bei 109 Euro für das Einzel- und 129 Euro für das Doppelzimmer. Zielgruppe sind in erster Linie Urlauber und Familien, aber auch Geschäftsreisende und Veranstaltungsgäste. Letzteren stehen vier Tagungsräume mit einer Kapazität von bis zu 220 Personen sowie der sieben Meter hohe »Carl-Hagenbeck-Saal« zur Verfügung.
Erholungsuchende kommen im WellFit-Bereich im fünften Stock auf ihre Kosten, obwohl man die Umgebung - wir befinden uns in der Arktis - nicht auf Anhieb mit einer heimeligen Wohlfühlwelt in Verbindung bringt. So wurden die Saunen in Form von skandinavischen Fischerhäusern in Rot und Blau gestaltet, das verwendete Material erinnert an Treibholz. Die Duschen befinden sich in einem stilisierten Eisblock, in dessen Eiskristallen das Licht der Sonne funkelt.
Natürlich trägt auch die Küche des Hauses ihren Teil zur Authentizität des Themenhotels bei. Allerdings kocht Chef de cuisine Jens Wagner für die Gäste im 215-Plätze-Restaurant »Augila« nicht nur einfach Gerichte aus Afrika oder Asien nach, vielmehr hat er eigene Menüs kreiert, in den sich Aromen, Kräuter und Gewürze dieser Länder wiederfinden. Als Suppe serviert Wagner z. B. eine mit Jasmintee aromatisierte Geflügelbrühe mit Shiitake-Pilzen, dazu gibt es Poulardenmettbällchen in Korianderpesto. Anschließend kommt man an der »Baobab Bar« fast nicht vorbei, die ebenfalls mit dekorativen Mitbringseln aus aller Herren Länder dekoriert ist. Auf der Karte stehen klassische, aber auch exotische Cocktails, die den Gästen einen gelungenen Abschluss ihres visuellen und kulinarischen Streifzugs durch die drei Kontinente bescheren.

