22.06.2009

Top hotel, 06/2009: Edler Froschkönig aus Essen

Quelle: Top hotel 06/2009
Konstruktive Kritik gehört zum journalistischen Credo von Tophotel. Luxushäuser, die sich als hochpreisige Repräsentanten der Spitzenhotellerie betrachten und für die Branche eine Vorbildfunktion haben, stehen im Mittelpunkt dieser viel beachteten Serie. Dieses Mal im anonymen Test: das Schlosshotel Hugenpoet in Essen-Kettwig

Reservierung, Donnerstag, 16. April, 16:42 Uhr

Unter der zentralen Telefonnummer des Hotels meldet sich auch nach zehnmaligem Klingeln niemand. Ich versuche es gut fünf Minuten später erneut und werde mit einer Bandansage konfrontiert. Dieser muss ich  jedoch nicht lange zuhören, da eine freundliche Mitarbeiterin abnimmt, die auch gleich die richtige Ansprechpartnerin für meine Reservierungsanfrage ist. Die Zimmerpreise bewegen sich zwischen 225 und 350 Euro inklusive Frühstück, wobei die Unterschiede zwischen Einzel- und Doppelbelegung gering sind. Das günstigste Angebot für den von mir gewünschten Termin ist ein Einzelzimmer zum Preis von 240 Euro pro Nacht inklusive Frühstück und Minibar. Ich frage nach speziellen Arrangements, unter denen der »Ku¬linarische Kurzurlaub« besonders interessant klingt: Angeboten werden zwei Übernachtungen inklusive Frühstück sowie ein Dinner mit vier Gängen im Gourmet-Restaurant »Nero« und ein Abendessen mit drei Gängen im rustikalen Res¬taurant »Hugenpöttchen« zum Gesamtpreis von 355 Euro zuzüglich 95 Euro Einzelzimmerzuschlag pro Nacht. Zudem wird ein kulinarischer Willkommensgruß inklusive Champagner versprochen. Wenn man bedenkt, dass die beiden Standard-Übernachtungen allein 480 Euro kosten würden, so erscheinen die 545 Euro inklusive zwei Menüs sehr verlockend. Getränke werden selbstverständlich extra abgerechnet.
Die Mitarbeiterin agiert sehr freundlich und dezent, könnte aber etwas offensiver die Vorzüge des Hotels und der Zimmer anpreisen und sollte nicht allein auf Fragen reagieren. Frau T. wünscht am Schluss des Gesprächs noch einen schönen Tag. Perfekt wäre es gewesen, wenn sie sich für die Buchung auch noch bedankt hätte.
Die schriftliche Bestätigung meiner Reservierung erhalte ich innerhalb von schnellen 20 Minuten wie gewünscht per E-Mail.
Das Anschreiben fällt freundlich und informativ aus, man weist mich zusätzlich auf verschiedene Spa-Behandlungen hin und empfiehlt eine zeitige Reservierung. Außerdem wird auf einer Checkliste, die es zurückzufaxen gilt, nach weiteren Vorlieben und Wünschen gefragt. Ein Limousinen-Service von den Hauptbahnhöfen in Essen und Düsseldorf wird zum Preis von 65 Euro angeboten; der Taxifahrer verlangt für die gleiche Strecke zirka 45 Euro.
Wertung: gut

Check-in, Freitag, 15. Mai, 13:49 Uhr

Kurz nachdem der Wagen vorgefahren ist, werde ich sehr freundlich von einer Mitarbeiterin begrüßt, während ein Kofferträger das Gepäck aufs Zimmer bringt. An der Rezeption heißt mich auch eine zweite Mitarbeiterin willkommen. Man erkundigt sich, ob ich eine gute Anreise gehabt hätte. Das weitere Procedere ist ebenfalls perfekt: Die Rezeptionsdame fragt, ob ich gleich auf das Zimmer gebracht werden möchte oder ob eine kurze Informationstour durch das Hotel und seine Einrichtungen gewünscht werde. Ich entscheide mich für Letzteres und erhalte sogleich einen Überblick über die Gastronomie und das Frühstücksangebot.
Die Mitarbeiterin informiert kurz, aber präzise und geleitet mich danach aufs Zimmer. Man hat mir ein Zimmer in der angrenzenden Remise vorbereitet, weil morgen eine Hochzeitsgesellschaft im Haupthaus feiert und ich dort ruhiger untergebracht wäre. Die Zimmer im Haupthaus sind jedoch attraktiver, zudem fühlt man sich etwas abgeschoben. Bei der Reservierung hätte man auch darauf hinweisen sollen, dass es nicht nur Zimmer im Schloss gibt, sondern auch in der Remise.
Die Mitarbeiterin klärt mich sachkundig über die Einrichtungen im Zimmer auf und hinterlässt den Meldeschein, der bereits korrekt ausgefüllt ist und nur noch unterschrieben an der Rezep¬tion abgegeben werden muss.
Wertung: sehr gut

Zimmer 5

Beim Arrangement »Kulinarischer Kurzurlaub« wird der Gast mit verschiedenen Aufmerksamkeiten überrascht. Dazu gehören zwei kleine, aber ausgezeichnete Kanapees, eine Etagere mit hervorragendem, hausgemachtem Gebäck und Obst, ein als Geschenk verpacktes Marmeladenglas sowie ein Glas Champagner. Während die Leckereien bereits auf dem Zimmer warten, wird der Champagner erst gebracht, wenn der Gast dies wünscht. Man erhält löblicherweise nicht ¬irgendeinen mittelmäßigen Schaumwein, sondern einen sehr guten Champagner von Roederer, wobei die Mitarbeiterin aus der Flasche auf dem Zimmer einschenkt. Mit so viel Qualität eingestimmt zu werden, verhilft zu einer sehr positiven Grundhaltung dem Hotel gegenüber. Der Gast wird zudem mit einem persönlichen Kärtchen der Direktion und ausgesucht schönen weißen Rosen begrüßt. Eine Rose schmückt zusätzlich den großen Schreibtisch, Orchideen die Fensterbank – das ist nicht nur eine Zierde, sondern belebt einen Raum. Das Zimmer wurde gut gelüftet und picobello gereinigt übergeben. Es ist nicht spektakulär, aber so gediegen, kommod und geschmackvoll, wie es zu einem solch historischen Haus passt. Einige der Zimmer im Schloss selbst sind mit schönen Antiquitäten ausgestattet, liegen aber auch in einer weit höheren Preisklasse zwischen 400 und 950 Euro. Auch die Remise offeriert alle wichtigen Annehmlichkeiten. Das große Bett bietet durch seine stabilen Matratzen und die angenehme Bett¬wäsche gute Schlafkultur. Sofa und Sessel geben zusätzlichen Komfort, die Möbel stehen nicht gestaucht, der große Raum schafft Luft und Platz. Die Fenster lassen sich vollständig öffnen, man blickt auf den Eingang zum Schloss. Der große Schrank im Flur bietet mehr als ausreichend Ablagemöglichkeiten und wurde mit genügend Holzkleiderbügeln bestückt. Innen ist er allerdings nicht beleuchtet, weshalb Gegenstände teilweise ganz im Dunkeln verschwinden können. Der Minisafe – sehr oft viel zu niedrig installiert – wurde absurd hoch angebracht und ist somit nur von Gäs¬ten wie Basketballriese Dirk Nowitzki und anderen Zwei-Meter-Menschen bequem zu bedienen. Alle anderen benötigen einen Schemel, den es aber hier nicht gibt. Zudem fällt der Minisafe sehr klein aus, nicht einmal ein schmales Notebook hat hier Platz. Die Kofferablage ist hingegen sehr groß und erlaubt müheloses Ein- und Auspacken der Kleidung. Die Klimaanlage arbeitet einwandfrei und leise. Das Zimmer ist auch vom Bett aus gut zu beleuchten, am Eingang befindet sich ein Zentralschalter. Die Minibar ist im Zimmerpreis inklusive und wurde mit Wasser und Softdrinks bestückt. Der Inhalt wird nach Verbrauch wieder aufgefüllt; Bier gibt es auf Wunsch ohne Aufpreis, Knabbereien oder ähnliches fehlen. Die bereitgestellten Gläser sind in einem guten Zustand.
Die Etagenkarte entspricht dem Angebot des Lokals »Hugenpöttchen« und bietet ein Dutzend Speisen an – von leicht bis deftig, bei moderaten Preisen. Der hübsch verdeckte Fernsehapparat funktioniert nicht einwandfrei, einige Programme sind gestört, die Kanäle stimmen selten mit der ausliegenden Liste überein. Ein DVD-Player steht ebenfalls parat, Filme und CDs können an der Rezeption ausgeliehen werden. Im Schloss existieren zwar viele gute dienstbare Geister, doch dem Zeitgeist huldigt man nicht an allen Stellen: Auf Pay-TV wurde in diesem altehrwürdigen Gemäuer verzichtet, Radio und Wecker fehlen ebenfalls.
Die Hoteldirectory enthält alle wichtigen Informationen, das Telefon wurde übersichtlich gestaltet, wobei die zentralen Servicestellen mit einem Tastendruck zu erreichen sind. Das komfortable Zimmer lässt schnelle Orientierung des Gastes zu und strahlt eine Behaglichkeit aus, die durch viele Details wie Ölbilder und Schmuck¬dosen noch verstärkt wird.
Wertung: gut
Internet
An der Rezeption erhalte ich gleich beim Check-in meine Zugangsdaten, mit denen ich kurz darauf problemlos online gehen kann. Dieser Service ist kostenlos.
Wertung: sehr gut

Das Bad

Das geräumige – eher sachlich funktionell als besonders attraktiv gestaltete – Bad bietet zwei Waschbecken und sehr viele Ablagemöglichkeiten. Es wurde tipptopp gereinigt übergeben, auch Problemstellen wie Waschbeckenabfluss, WC, WC-Bürste und Badewannenrand bieten keinen Anlass zu Tadel. Handtücher in befriedigender Qualität sowie Bademantel nebst -schuhen liegen bereit, wobei ein großes Badehandtuch – auch für eine Person – als ein klein wenig zu sparsam wirkt. Der beheizbare Handtuchhalter ist willkommen, Bidet und Radio fehlen. Der beleuchtbare Kosmetikspiegel lässt sich nicht optimal verstellen, der Haartrockner funktioniert hingegen einwandfrei, lässt sich gut handhaben und ist in Gebläsestärke und Warmluft regulierbar.
Die Duschkabine ist zwar ausreichend groß, bereitet allerdings Probleme, denn es herrscht leider nur ein sehr schwacher Wasserdruck. Besonders ärgerlich ist, dass die Wärmeregelung der Handbrause defekt ist und hauptsächlich viel zu heißes Wasser freigibt. Der Deckenduschkopf lässt sich zudem überhaupt nicht öffnen. Der Gast muss auf die Badewanne und deren Brause ausweichen, was zu einer zwangsläufigen »Bewässerung« des Bades führt. Eine solch elementare Einrichtung hat zu funktionieren und muss vor jedem Gastaufenthalt aufs Neue überprüft werden. Das Badezimmer ist durch seine komplett zu öffnenden Fenster gut belüftbar. Erstklassig fallen die Guest Supplies aus, die allesamt von Bulgari stammen. Es werden nicht nur die obligaten Kosmetika – wie Shampoo, Conditioner, Duschgel, Bodylotion und Seife – bereitgestellt, sondern auch Rasiergel, ein Erfrischungstuch und ein parfümierter »Teebeutel« als Badezusatz. Ein sehr hübsches Detail, welches die allgegenwärtige individuelle Note des Leading Small Hotels unterstreicht, ist die florale Ausstattung.
Statt einer Blume wird das Bad mit zwei Knospen geschmückt, die zunächst verschlossen sind und sich während des Aufenthalts mehr und mehr öffnen und in ihrer Pracht entfalten. Dadurch wird das Bad noch persönlicher und vor allem lebendiger – eine famose Idee. Die Bewertung für das Bad hätte leicht mit einem »sehr gut« ausfallen können, doch die Duschmisere mindert den ansonsten so positiven Eindruck.
Wertung: befriedigend

Ruhestörung

Kein Straßenlärm stört den Gast, das Schlosshotel liegt bestens abgeschirmt in einem Park. Auch das Housekeeping arbeitet leise. Der Hinweis »Bitte nicht stören« wird grundsätzlich beachtet. Offenbar liegt das Hotel in einer Einflugschneise, was aber keineswegs zu problematischen Störungen führt. Die Gäste sollten darauf aber hingewiesen werden, da manche auf Fluggeräusche sehr empfindlich reagieren.
Wertung: gut

Internetauftritt

Das Hotel verfügt über einen sehr sympathischen, informativen und gut gestalteten Internet¬auftritt. Die aktuellen Speise- und Barkarten lassen sich einsehen; die Direktion und die Mitarbeiter werden in Wort und Bild vorgestellt. Auf diese Weise kann sich der Gast kann bereits vor seiner Ankunft ein Bild von dem Hotel machen und sich darauf einstimmen. Ferner vermag er Angebote und Preise in Ruhe zu studieren und entsprechend zu buchen.
Wertung: sehr gut

Wellness

Ein historisches Schlosshotel hat viel Charme, kann aber in den meisten Fällen kein Schwimmbad oder andere Wellness-Einrichtungen offerieren. Im Hugenpoet versucht man dieses Defizit aber wenigstens auszugleichen. Gleich bei der Ankunft werde ich darüber informiert, dass die Gäste in einem nahen Fit¬nessclub kostenfrei trainieren sowie Sauna und Dampfbad nutzen können, der Transfer ist kostenlos. Zudem kann man im Schloss¬park einen Tennisplatz nutzen, Golfplätze gibt es ganz in der Nähe. Massagen und andere Anwendungen sind – gegen Bezahlung – auf dem Zimmer möglich. Das mag alles nicht dem Idealbild entsprechen, doch entscheidend ist das Bemühen des Hotels.
Wertung: befriedigend

Restaurant »Nero«, 19:12 Uhr

Ich werde sehr freundlich begrüßt und zu meinem Tisch geleitet. An diesem Abend sind lediglich drei weitere Tische besetzt. Der Aperitif wird sogleich abgefragt. Die Offerten liegen qualitativ ein wenig über dem Durchschnitt, könnten jedoch animierender ausfallen. Das Res¬taurant beeindruckt durch seine Sicht auf den Park, die hübsche Terrasse kann an diesem Abend wegen starken Regens allerdings nicht genutzt werden. Das schwarz-rote Interieur bildet einen modernen Kontrast zum his¬torischen Ambiente des Schlosshotels. Hier hat man es mit der zeitgemäßen Übersetzung eines Rittersaals zu tun. Dennoch fällt die Einrichtung etwas zu düster aus. Die schön gestaltete Menükarte mit den Gerichten sowie Datum und Namen des Gastes liegt bereits vor, die Weinkarte wird umgehend nach¬gereicht. Die Sommelière bietet ihre Dienste an, lässt dem Gast jedoch auch Zeit zum eigenen Studium.
Zum Amuse-Bouche, einer Wachtel im Brickteig, wird ungefragt ein Rotwein gereicht. Es ist jedoch nicht ersichtlich, ob er berechnet wird. Spä¬ter ist auf der Rechnung nur allgemein von »Weinbegleitung« die Rede – die offen servierten Tropfen werden nicht einzeln aufgeführt. Solche Missverständnisse gilt es in jedem Fall zu vermeiden. Die Weinkarte fällt recht international aus, zeigt aber auch gerade bei Frankreich und Deutschland Flagge. Wer gleich mehrere höchst anerkennenswerte Tropfen von Wagner-Stempel aus Rheinhessen anzubieten hat, hebt seine Karte mit Fingerspitzengefühl auf den neuesten Stand und verschafft sich bei Kennern Respekt. Es gibt zahlreiche gute und bezahlbare Weine, die offen Angebotenen sind mehr als ordentlich. Der erste Gang macht aber eine Weinbegleitung beinahe unmöglich, was die Sommelière ein wenig zu salopp ignoriert. Moderat eingesetzter Wasabi und eiskaltes Gurkengranité sind Weinkiller. Das Millefeuille von Jakobsmuschel, Thunfisch und bretonischem Algensalat nebst Kaisergranat und gebratener Garnele gelingt ausgezeichnet – sehr gute Produktqualität, handwerklich solide. Erstklassig in der Zubereitung und im Geschmack bringt der gebratene Nagelrochen Freude, der von großen Kapernblüten, mariniertem Weißkohl und einer schönen Senffrüchtesauce begleitet wird. Das (unmerklich) mit Thymianhonig gebratene Lammcarré hat Qualität und wurde perfekt zubereitet. Das begleitende Lamm-Carpaccio ist ausgezeichnet, die Artischocken und dicken Bohnen wirken hingegen wie unwillige Begleiter, da es ihnen an Ausdruck fehlt. Grund¬sätzlich könnten die gut Saucen ein klein wenig mehr Aroma vertragen. Das Dessert aus Erdbeermousse im Baumkuchenmantel mit Ingwer-Eis und Erdbeer-Sorbet unterstreicht die zuverlässige Klasse der Pâtisserie. Abschließend kommt ein gut sortierter Käsewagen zum Einsatz, Digestifs werden nicht abgefragt. Restaurantleiter M.H. und seine Crew arbeiten ebenso freundlich wie aufmerksam und verabschieden mich höflich.
Wertung: sehr gut

Turndownservice

Das Bett wurde von der Tagesdecke befreit, die Fernbedienung nebst Fernsehprogramm – das Tagesdatum ist aufgeschlagen – am Nachttisch platziert, benutzte Handtücher erneuert. Ein Betthupferl gibt es nicht, was angesichts der hier täglich gereichten Petits-Fours auch überflüssig erscheint.
Wertung: sehr gut

Weckruf, Samstag, 16. Mai, 8:30 Uhr

Der Weckruf erfolgt pünktlich unter Nennung der Uhrzeit, wobei sich die freundliche Mitarbeiterin mit Namen vorstellt und den Gast persönlich anspricht. Frau S. fragt nach einem Reminder und erkundigt sich, ob man bereits einen Tee oder Kaffee aufs Zimmer haben möchte. Zum Schluss wünscht Frau S. noch einen schönen Tag. Beim Weckruf am nächsten Morgen wird fast ebenso verfahren, es fehlt jedoch das Angebot für einen Reminder und die besonders freund¬liche Verabschiedung.
Wertung: sehr gut

A-la-carte-Frühstück, 9:49 Uhr

Ich werde herzlich empfangen und zu einem freien Tisch geleitet, wo bereits die von mir bevorzugte Morgenlektüre liegt – der Zeitungswunsch wurde beim Check-in abgefragt und von der allgegenwärtigen Mitarbeiterin Frau S. nicht vergessen. Am Eingang werden außerdem verschiedene Zeitungen gut sichtbar ausgelegt. Der Speiseraum mit Park-Terrasse ist stimmungsvoll und entspricht den Erwartungen an ein Schlosshotel. Es wird kein Buffet angeboten, sondern à la carte und mit einem mobilen Buffet serviert. Auf der umfangreichen Speisekarte stehen außergewöhnlich viele Verlockungen. Der Oberkellner zieht mit einem großen Wagen von Tisch und Tisch, auf dem Vieles, aber beileibe noch nicht alles bereitsteht. Die stattliche Auswahl an Aufschnitt, Räucherfisch, Krabben, Salat und Käse wird für den Gast auf einer Etagere angerichtet. Die Qualität ist durchweg sehr gut, auch Brot, Brötchen, Laugengebäck und Croissants sind tadellos. Es gibt viele individuelle Offerten, wie die hausgeräucherte Pastrami oder den Camembert aus Rügen, was ausgesprochen lustfördernd wirkt und so viel zu selten selbst in Spitzenhotels zu bekommen ist. Anregend und vertrauenerweckend wirken außerdem die kurzen Kommentare auf der Karte, durch die der Gast erfährt, von welchen Bauern, Bäckern und anderen Betrieben Teile des Frühstücks stammen. Vieles ist regional ausgerichtet; durch die persönliche Handschrift gewinnt das Frühstück Profil. Erfreulich sind zudem der schottische Lachs, die mit Wacholder geräucherten Forellen sowie der kanadische Speck. Eierspeisen werden à la minute zubereitet und geben ebenfalls keinen Anlass zu Kritik. Auch eine Suppe wird angeboten.
Der Tee wird vorbildlich präsentiert, eine Sanduhr zeigt die Ziehzeit an, der Auffang- behälter für das Teesieb wurde nicht vergessen. Der Frischblatt-Tee ist jedoch für die kleinen Silberkännchen zu groß dimensioniert, was schnell zu einer uner- wünschten bitteren Note füh¬ren kann. Es wird frisch gepresster Orangensaft ausge- schenkt, auf der Karte stehen zudem frische Säfte aus Grapefruit, Tomaten und Karot- ten. Es fehlt auch nicht an Wasser und Softdrinks. Der Cappuccino lässt sich optimieren – Milch- schaum, Crema und Brühtemperatur entsprechen nicht dem Idealbild. Auf Müsli und Joghurt muss niemand verzichten, der gut gemischte Obstsalat lässt nicht zu wün- schen übrig. Bei den Süßigkeiten fallen die selbstgemachten Muffins und die hausge- machten, hervorragenden und wunderbar fruchtigen Marmeladen auf, wobei sich die Pâtisserie an allen Stellen im Hotel lobenswert hervorhebt. Der Service agiert sehr aufmerksam,freundlich und umsichtig, gebrauchte Teller und benutztes Besteck wer- den flink abgeräumt und wieder nachgelegt. Ich werde sehr freundlich verabschiedet.
Wertung: sehr gut

Housekeeping

Betten machen, Handtücher ersetzen, lüften und Abfallbehälter leeren gehören zum Standard, aber auch sonst arbeitet die Abteilung aufmerksam. Benutzte Guest Supplies werden erneuert, das verbrauchte Mineralwasser aufgefüllt. Eine nur einen Tag lang benutzte Seife auszutauschen, erscheint jedoch zu übereifrig und verschwenderisch. Von den drei Markierungen im Bad werden zwei bemerkt, während der Kos¬metikspiegel nicht gründlich genug gereinigt wurde. Wie versprochen wird dem Gast erneut eine Etagere mit Gebäck, Pralinen und Obst aufs Zimmer gestellt – alles von bester Qualität.
Wertung: sehr gut

Wäscheservice

Die am Vortag am Bett platzierten und vom Abendservice abgeholten Laundry Bags mit Bügel- und Wäschehemd werden am nächsten Vormittag auf einem Holzbügel geliefert. Sie wurden akkurat behandelt, doch fallen zwei weitere Details positiv auf: Sie werden nicht in den Schrank, sondern auf einen Haken im Flur gehängt. Dadurch wird die Lieferung schneller erkannt, als wenn sie im Schrank neben anderen Textilien verschwindet. Zudem ist der Schrank ¬eines Gas¬tes beinahe so etwas wie eine Intimzone und diese sollte vom Personal auch respektiert werden. Statt der üblichen Rechnungsdurchschrift wer¬den die Hemden von einem Schreiben der Hoteldirektion begleitet: »Anbei finden Sie Ihre Wäsche. Wir hoffen, dass Sie Ihren Aufenthalt genießen und wünschen Ihnen einen besonders schönen Tag.« Solche persönlichen Aufmerksamkeiten sind es, die ein Hotel in besonderem Maße auszeichnen. Der Hemden¬service wird mit insgesamt 11,50 Euro berechnet.
Wertung: sehr gut

Messagetransfer

Ein um 13:57 Uhr abgeschicktes Fax wird mir umgehend von einer freundlichen Mitarbeiterin in den Schlossgarten des Hotels gebracht, wo ich mich zu dieser Zeit gerade aufhalte. In einem überschaubaren Domizil mit 26 Zimmern ist so etwas noch mög¬lich.
Wertung: sehr gut

Sicherheitsaspekte

Versuche, an die Zimmernummern von Gästen zu kommen, scheitern am Sicherheitsverständnis der Mitarbeiterinnen. Die Fluchtwege sind auch abends gut erkennbar und frei.
Wertung: sehr gut

Flure, Aufzüge, Treppen

Das alte Schloss hat Patina, aber keinen Staub angesetzt. Die Flure im Haupthaus sind fürstlich gestaltet, in der Remise fallen sie weit weniger eindrucksvoll, jedoch gepflegt aus. Die Treppen sind teilweise schief, vor allem auf der Terrasse, wobei Warnschilder auf diese Winterschäden hinweisen. Aufzüge gibt es keine.
Wertung: gut

Außenbereich

Das Schloss wurde nicht durch Hotelschilder oder andere Werbemittel verunstaltet. Der Park ist ansehnlich angelegt und bietet neben Sitzplätzen auch Sonnenliegen. Nur der Tennisplatz könnte besser gepflegt sein. Gleich vor der Tür befindet sich ein großer Parkplatz, dennoch dürfen Gäste auch den Innenhof zwischen Remise und Lokal »Hugenpöttchen« benutzen, was weniger schön aussieht. Zum Ein- und Ausladen von Gepäck sollte dies gestattet sein, ansonsten aber stören die Wagen das ritter¬liche Bild, zu dem höchstens Kutschen passen oder vielleicht noch der hauseigene Rolls-Royce.
Wertung: befriedigend

Billard-Lounge

Die Lounge mit Billardtisch und Bibliothek ist ein idealer Platz, um sich zurückzuziehen. Hier darf sogar geraucht werden, was ansonsten nur noch in der Lobby erlaubt ist. Warum hier noch ein Flipchart von einer Besprechung zurückbleibt und nicht aufgeräumt wird, ist nicht nachzuvollziehen.
Wertung: befriedigend

Bankett

Das Schloss mit seiner eindrucksvollen Halle, den festlichen Salons und prachtvollen Kaminen ist wie für Hochzeiten und andere Feiern geschaffen. Während des Testaufenthalts findet auch eine solche mit 120 Gästen statt, die den Betrieb aber keineswegs stören. Die Kontakte mit der Bankettabteilung fallen freundlich, informativ und professionell aus. Meine Anfragen werden umgehend, präzise und animierend beantwortet.
Wertung: sehr gut


Rezeption

Ich frage nach einem Aufladegerät für mein Handy. Die Mitarbeiterinnen suchen in ihrer Reservatenkammer und werden nicht fündig – wissen aber eine ausgezeichnete Alternative: Sie bieten ein Haushandy an, in das ich nur meine Chipkarte zu stecken habe. Bravo, so löst man Probleme.
Wertung: sehr gut

Mitarbeiter

Das Hotel zeigt nicht nur durch viele liebevolle Dekor-Details eine feminine Note, auch ein Großteil des Teams ist weiblich. Es ist unbestritten, dass Frauen das Lächeln leichter fällt, wobei auch die männlichen Mitarbeiter sehr freundlich sind. Es herrscht allgegenwärtig eine harmonische und bisweilen sogar herzliche Atmosphäre, wie sie so nicht allzu oft zu erleben ist. Alle Angestellten grüßen freundlich, stellen sich am Telefon mit Namen vor und sprechen den Gast ebenfalls mit Namen an. All dies trägt ganz entscheidend zum Wohlgefühl der Gäste bei.
Wertung: sehr gut

Persönliche Note

Normale Servicevorgänge werden nicht nur akkurat ausgeführt, sondern auch noch durch ein nettes Schreiben begleitet. Der täglich auf dem Zimmer ausliegende »Hugenpoet-Kurier« informiert und gibt den Gästen eine persönliche Ansprache. Eine ausgezeichnete und individuelle Idee ist auch der im Schlosshof bei schönem Wetter zum Einsatz kommende original »Smoker« aus den USA. Mit dieser Mischung aus Dampflok und Ofen werden Barbecues veranstaltet, bei denen Spareribs, argentinische Steaks oder irische Lammhüftmedaillons geräuchert werden. 

Restaurant »Hugenpöttchen«, 19:32 Uhr

Der rustikale Landhausstil mit offener Küche wirkt einladend, das Lokal ist durch eine größere Feier bis auf den letzten Platz besetzt. Das »Hugenpöttchen« steht von zwölf bis 24 Uhr durchgehend offen, was Gästen zu flexiblen Essenszeiten verhilft. Ich werde freundlich begrüßt und an meinen reservierten Tisch gebracht, an dem bereits die Auflistung der drei Gänge meines Menü ausliegt. Es ist jedoch auch überhaupt kein Problem einen Gang auszutauschen, wie man mir erklärt. Die Speisekarte setzt weniger als erwartet auf regionale Küche, sondern präsentiert sich ziemlich international.
Die »kreative Landhausküche« dehnt sich jedenfalls elastisch von italienisch bis asiatisch, wobei sie sehr viel Appetit macht. Als Gruß aus der Küche wird ein leckeres, leicht sahniges Spargelsüpppchen kredenzt. Zudem wird vorneweg gutes Brot, Butter und Frischkäse mit Fleur de Sel gereicht. Als ersten Gang gibt es auf den Punkt gebratene Jakobsmuscheln mit schönem Blumenkohlpüree und dezenter Granatapfelvinaigrette. Das Entrecôte mit Kakao-Pfefferkruste ist wie gewünscht medium gebraten, doch die Kruste hinterlässt zu viele Bitternoten. Die Samthauben-Pilze und der Zwiebellauch begleiten das Fleisch passend, nicht so glücklich eskortieren es die Linguine – Fleisch und Pasta sind zwei starke Sattmacher, außerdem überfrachtet die schwere Bratensauce die Nudeln und suppt sie stark ein. Das Zweierlei von der Mango mit gutem Peter¬silien-Eis bietet hingegen solide Hotelküche.
Die Getränkekarte offeriert viele zugängliche Weine der Mittelklasse, darunter ausreichend offene. Es wäre gut, wenn man diese auch mit 0,1 Litern glasweise ausschenken könnte und dies entsprechend auf der Karte deklarieren würde. Das Pils vom Fass kommt viel zu kalt auf den Tisch, was den Konsum stark mindert, da man es nicht gleich zügig zu trinken vermag und viel zu lange stehen lassen muss. Das so genannte Salonbier, eine regionale Spezialität, ist korrekt temperiert und macht Lust auf mehr. Der Service ist aufmerksam, wobei vor allem die noch zu lächeln wissenden beiden jungen Mitarbeiterinnen so herzlich auftreten, dass man ihnen kleine Fehler beim Annoncieren leicht nachsieht. Die Verabschiedung erfolgt herzlich.
Wertung: gut

Bar, 21:48 Uhr

Ich werde freundlich begrüßt und nehme direkt an der Bartheke Platz. Zu diesem Zeitpunkt ist sonst kein Gast zugegen, später kommt nur noch ein Pärchen. Die Barkarte wird umgehend vorgelegt, das Sortiment ist stattlich. Whisky und Whiskey haben Priorität, doch auch bei Rum und Wodka findet man die eine oder andere Qualität. Trends werden eher zögerlich aufgegriffen, etwa bei Martini-Cocktails. Als Besonderheit wird mir ein Maibowle-Cocktail empfohlen, was ich gern annehme. Dieser fällt leider etwas bitter aus, auch beim zweiten Versuch schmeckt der Drink vor allem nach Tonic und kaum nach Waldmeis¬ter. Zu den Getränken werden vom Bar-Team des Schlosshotel Hugenpoet Nüsse (mit Löffel) gereicht, die ganz hervorragend schmecken und mit einer Krus¬te überzogen sind, welche die Kü¬che ausgetüftelt hat. Ich werde sehr freundlich verabschiedet.
Wertung: befriedigend

Etagenservice, 23:02 Uhr

Ich bestelle eine Kanne mit heißem Wasser. Diese wird auch umgehend von einer höflichen Mitarbeiterin auf mein Zimmer gebracht. Leider befindet sich das Wasser in einer Thermos¬kanne, in der zuvor Kaffee war, wodurch es ungenießbar wird.
Wertung: mangelhaft

Schuhputzservice, ¬Sonntag, 17. Mai

Die am Abend vor die Tür gestellten Schuhe werden am Morgen blitzblank gesäubert zu¬rückgebracht – in Stoffbeuteln und mit einem netten Begleitschreiben: »Der Schlossgeist war so freundlich und hat Ihnen die Schuhe geputzt! Weiterhin einen angenehmen Aufenthalt!«
Wertung: sehr gut

Etagenfrühstück, 9:39 Uhr

Das Etagenfrühstück lässt sich recht individuell zusammenstellen, abweichend von der Karte bestelle ich statt eines frisch gepressten Orangensaftes einen frisch gepressten Karottensaft, was völlig prob¬lemlos möglich ist. Die Bestellung wird von der sehr freundlichen Mitarbeiterin nicht wiederholt, die Servierzeit aber mit 15 bis 20 Minuten angegeben. 24 Minuten später bringt eine sehr freundliche Dame den mit ¬einer Rose dekorierten Servierwagen aufs Zimmer. Brötchen, Brot, ¬Croissant sowie Aufschnitt und Käse sind für eine Person gut bemessen und von sehr guter Qualität. Die Rühreier mit Speck unter einer ansehnlichen Silbercloche sind tadellos zubereitet. Sogar der Speck bietet keinen Anlass zu Beanstandungen, was eher die Ausnahme ist. Der Obstsalat ist erstklassig, die hausgemachten Marmeladen und Muffins ebenso. Der Tee wurde bereits perfekt gebrüht und steht in einer Thermoskanne bereit, die nicht nach Kaffee riecht. Der Karottensaft ist frisch gepresst, das Wasser wurde nicht vergessen. Ein Abräumhinweis erfolgt nicht, die freundliche Mitarbeiterin wünscht mir noch einen »guten Start in den Tag«.
Wertung: sehr gut

Check-out, 12:51 Uhr

Die freundliche Mitarbeiterin erkundigt sich sogleich, ob mir der Aufenthalt gefallen habe und händigt mir die korrekte Rechnung  über 677,80 Euro inklusive der Einzelbelege aus.
Als kleine Wegzehrung erhalte ich eine »Schlosstüte« mit Wasser, Obst und einem Müsliriegel. Ich werde sehr freundlich verabschiedet, man wünscht mir eine gute Heimreise und die Mitarbeiterin erklärt, dass man sich auf meinen erneuten Besuch freuen würde. Das bestellte Taxi steht pünktlich vor der Tür, das Gepäck wurde bereits eingeladen.
Wertung: sehr gut

Lost & Found

Der eifrige und überaus aufmerksame Hotelpage hat nicht nur mein Gepäck aus dem Zimmer geholt, sondern ebenfalls mein »vergessenes« Objekt entdeckt und händigt es mir noch direkt an der Rezeption aus.
Wertung: sehr gut

Bilanz

Das Schloss wird von einem guten Geist beseelt. Der »Genius
loci« findet seinen Ausdruck in Gastfreundschaft, Engagement, Leis¬tungsstärke und offensivem Charme. In einem solchen Haus fühlt man sich als Gast von der ersten bis zur letzten Minute wohl und gut aufgehoben. Der Zauber dieses historischen Hauses und seines antiken Ambientes sowie die Atmosphäre des Schlosshotel Hugenpoet sind von eindrucksvoller Art. Darüber hinaus zeichnet sich das adrette Fünf-Sterne-Hotel durch vorbildlichste Individualität und glaubhafte Authentizität aus. Ebenfalls die Leistungen der Kü¬chencrew im Gourmetrestaurant sowie beim Frühstück sind bemerkenswert.
Das imposante Wasserschloss aus dem 17. Jahrhundert ist Mitglied bei den Leading Small Hotels of the World und müsste angesichts seiner Qualitäten weitaus bekannter sein und mehr gerühmt werden. Das Wappen des Hauses ist die allgegenwärtige Kröte – Hugen = Kröten, Poet = Pfütze. Als kritischer Testgast hatte ich jedoch keine einzige Kröte zu schlucken. Ganz im Gegenteil: Das Luxushotel offenbarte sich während des Aufenthaltes als edler Froschkönig.

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