05.06.2009

AHGZ schreibt über das Hotel Öschberghof (progros) unter der Leitung von Alexander Aisenbrey

Alexander Aisenbrey hat das Hotel Öschberghof in Donaueschingen zum Erfolg geführt. Er hat einen solventen Investor und versteht es, seine Mitarbeiter für das Haus zu begeistern.

Das Hotel Öschberghof ist, wie meistens von Frühjahr bis Herbst, gut gefüllt. An diesem Wochenende mischen sich unter die Gäste Verwandte und Freunde des Hotelchefs Alexander Aisenbrey. Die Taufe der eineinhalbjährigen Charlotte, seines dritten Kindes, steht an.

Für den bekennenden Familienmenschen ist das ein Grund zu feiern. Darum war die Nacht kurz, wie er selber sagt. Davon allerdings ist im Gespräch mit ihm an diesem Samstagmorgen nichts zu spüren. Er ist entspannt und aufgeräumt. Und so wirkt auch das 73-Zimmer-Hotel, das er bereits im siebten Jahr führt.

Umsatz verdreifacht

Der Öschberghof am Rand von Donaueschingen gehört Karl Albrecht, dem Besitzer von Aldi Süd. Er hat das Haus und den Golfplatz, der es umgibt, 1976 gebaut. Zunächst als privates Refugium, später als Hotel. Seit dieses von Alexander Aisenbrey geleitet wird, ist aus dem einstigen Zuschussbetrieb ein Haus geworden, das schwarze Zahlen schreibt. „Wir haben den Umsatz in den vergangenen sechs Jahren verdreifacht“, sagt Aisenbrey. Rund 10 Mio. Euro hat der Öschberghof 2008 Jahr erlöst, bei einer Belegung von 83 Prozent. „Die Besitzer haben Spaß an dem Objekt“, sagt der Hoteldirektor, räumt aber ein, dass er die umfassenden Investitionen in das Haus bisher nicht selber verdienen musste. Im vergangenen Herbst kamen ein neues Restaurant und das loungige Kaminzimmer hinzu, und vor knapp drei Jahren eröffnete die 1800 Quadratmeter große Wellness-Welt, elegant gestaltet mit viel Holz, Glas und Stein. Rund 2,5 Mio. Euro hat sie gekostet.

Die Hardware stimmt also im Öschberghof, das gilt auch für das sonstige Interieur des Hauses. 2001 wurde es komplett von der bis dahin vorherrschenden Schwarzwaldschwere befreit und präsentiert sich nun mit klaren Formen, warmen Tönen und edlen Materialien. Modern, aber nicht kalt.

Eine Charakterisierung, die auch auf den Chef zutrifft und darauf, wie er das Haus führt. Edle Ausstattung und luxuriöse Einrichtung sind nicht alles. Er weiß, dass nur zufriedene Mitarbeiter die Gäste glücklich machen. Deshalb kümmert er sich darum, dass im Öschberghof eine warme, familiäre Stimmung herrscht. Er kennt von fast allen seiner 160 Mitarbeiter die persönliche Lebenssituation. „Wir haben kein Ebenendenken. Das spüren die Gäste und das macht sie zufrieden“, so Aisenbrey. Aber die Mitarbeiter werden auch gefordert. Die zwölf Abteilungsleiter verantworten ihre Bereiche selbstständig. Eigene Ideen und Projekte der Mitarbeiter in den einzelnen Abteilungen werden verlangt und gefördert. „Das motiviert“, ist der Chef überzeugt.

Der groß gewachsene 39-Jährige hat seine ersten gastronomischen Erfahrungen in einem Stuttgarter Eiscafé gemacht, wo er schnell auf den Geschmack gekommen ist. Im Hotel Bachmair am See absolvierte er nach dem Abitur seine Ausbildung, es folgte ein Engagement in der Traube Tonbach, Häuser in Paris und Montreux waren weitere Stationen. In seiner Heimatstadt Stuttgart arbeitete er im damals nagelneuen SI-Centrum, bevor er noch einmal die Schulbank drückte: In Heidelberg wurde er Hotelbetriebswirt. Auch an der Cornell University in den USA hat er studiert. Er wollte etwas werden in der Branche, und er hat es schnell geschafft: Mit 29 Jahren war er Mitglied der Geschäftsführung des Hotels Traube Tonbach in Baiersbronn. „Das war eine tolle Zeit“, blickt er zurück, räumt aber auch selbstkritisch ein: „Manchmal war ich damals zu ungeduldig“; das könne auch zu Fehlern führen. „Dass man auch mal warten muss, das habe ich dann hier gelernt“, sagt Aisenbrey heute.

Leidenschaftlicher Kämpfer


Dieser Touch Gelassenheit, gepaart mit natürlicher Autorität und profunden Fachkenntnissen hat ihm neben seinem Beruf auch ein wichtiges Ehrenamt beschert. Seit 2008 ist Aisenbrey Vorsitzender der Hoteldirektorenvereinigung Deutschland (HDV). Es ist ihm eine Herzensangelegenheit, die Branche ins Licht der Öffentlichkeit zu rücken. Er bemängelt, dass das Gastgewerbe von der Politik immer noch zu wenig wahrgenommen werde. Vor allem für die kleineren, privaten Häuser sei die Lage derzeit prekär. „Viele von ihnen machen einen guten Job, aber sie verdienen nichts mehr, zu schlechte Preise und zu viele Abgaben.“ Aisenbrey hat trotz seiner vergleichsweise komfortablen Situation im Öschberghof viel Gespür für die Sorgen und Nöte seiner Kollegen. Leidenschaftlich wird er beim heißen Eisen Mehrwertsteuer. „Wir brauchen diese 7 Prozent“, sagt er kämpferisch. Holger Zwink

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